Sonntag, 25. Oktober 2009
Einfach mal so
Freitag, 16. Oktober 2009
Schwule Persönlichkeiten
Wenn man an große schwule Persönlichkeiten und ihr Werk denkt, die Dienste, die sie der Community geleistet haben, fallen einem schnell einige ein. Rosa von Praunheim zum Beispiel, der mit seinen provokativen Filmen die Menschen der 70er Jahre aufmischte. Dirk Bach, der sich schon 1999 mit seinem Partner verlobt hat, aber erst heiraten will, wenn Heteros und Homos bei der Ehe völlig gleichgestellt sind. Oder Georg Uecker, der mutig 1987 in der ARD-Serie „Lindenstraße“ einen Mann küsste.
Wenn man an berühmte Zitate von schwulen Mitmenschen denkt, fällt einem schnell Klaus Wowereit ein: „Ich bin schwul, und das ist auch gut so!“ Und Harvey Milk, erster schwuler Stadtrat von San Francisco, sagte einmal: „All young people, regardless of sexual orientation or identity, deserve a safe and supportive environment in which to achieve their full potential.”
Aber wer erinnert sich an den Mann, der 1999 in der britischen “Sun” verkündete: „I’m gay and I’m in love!”?
Die meisten werden sich darüber keine Gedanken mehr machen, wenn ein Sänger, Schauspieler, Künstler sich outet. Das ist so, damit kann man gut leben und es rüttelt die Öffentlichkeit nicht mehr auf. Von vielen Künstlern hat man es irgendwie schon immer gewusst, andere treten gleich von Anfang an als schwul in die Öffentlichkeit, bevor ihre Karriere überhaupt begonnen hat.
Doch woran liegt es, dass sich Mitglieder von Boygroups plötzlich outen, wie Lance Bass von NSYNC oder Mark Feehly von Westlife? Was hat sie so sicher gemacht, daß ihre Fans auch nach so einer Nachricht zu ihnen stehen würden und es nicht das Ende ihrer Karriere bedeutet? Wer hat den Anfang gemacht und aller Welt gezeigt, daß es nicht schadet, zu sich, seiner Sexualität und seinem Partner zu stehen?
Der junge Mann, der sich vor 10 Jahren öffentlich zu seiner Homosexualität bekannte, hieß Stephen Gately.
Mir machte diese Nachricht damals Herzrasen. Ich las es in einer Jugendzeitschrit und starrte mit hochrotem Kopf, bollerndem Herzen und zitternden, schitzig-kalten Fingern diesen Artikel an. Da war einer, gerade 23 Jahre alt, und sagte, daß er schwul ist. Einfach so!
Damals war ich mir noch nicht ganz sicher, daß ich selbst schwul bin. Ich war mitten in der Pubertät, wusste, daß Männer mir gefielen. Aber, schwul, sowas konnte nicht sein, sowas gehörte sich doch nicht. Das hatte mir doch schon mein großer Bruder eindrucksvoll damit bewiesen, daß er ein schwules Pärchen zusammengeschlagen hat. Eine solche Abnormalität konnte ich nicht sein… Aber dieser junge Mann da, der mit seiner Band Boyzone in Europa und Asien, vor allem in England und Irland, riesige Erfolge feierte, traute sich, offen zu sagen, daß er auf Männer steht!
Das hat mich beeindruckt. Auch, wenn ich nie geglaubt hätte, daß ich mal eine ähnliche Stärke beweisen würde. Doch ich selbst war erst 21 Jahre alt, als ich der Welt meinen Mittelfinger zeigte, meinen Hürdenlauf veröffentlichte und jedem, ob er es hören wollte oder nicht, sagte: „I’m HIV positive and I love my life!” Und ich durfte erfahren, was auch Stephen Gately so erfahren hat: Es kommt nicht darauf an, was du bist, sondern wer du bist.
Am 10. Oktober 2009 ist Stephen Gately verstorben. Erstickt aufgrund eines akuten Lungenödems, man vermutet, in Folge eines Fehlers am Herzen. Er wurde 33 Jahre alt.
In Deutschland hat man lange nichts von ihm gehört oder gesehen. Im britischen Fernsehen tauchte er immer mal wieder auf (Die unter euch, die in Großbritannien leben, werden wissen, wovon ich rede). Er war kein großer herausragender Star, keine
Weltgröße wie Michael Jackson. Und trotzdem hat mich sein Tod viel mehr berührt als der des King of Pop im Sommer. Ob das daran liegt, daß Michael Jackson viel weiter weg war, unantastbarer als Stephen Gately, daran, daß Stephen Gately schwul war so wie ich und Michael Jackson eher durch Gerüchte über seine Pädophilie sexuell in Erscheinung trat, daran, daß Michael Jackson mit seinen 50 Jahren, einem Leben voller Karriere und Erfolg eher mit seinem Leben abgeschlossen haben könnte als Stephen Gately, der ein 33jähriges, bodenständiges und kurzes Leben geführt hat, oder daran, daß es dieses eine Erlebnis gab, das mich so sehr geprägt hat – die BRAVO und mein feuerroter Schädel – kann ich nicht sagen. Aber das muss ich auch nicht.
Morgen soll Stephen Gately in Dublin beigesetzt werden. Sicherlich wäre es übertrieben, den Tag in schwarz zu verbringen, zu trauern und die guten Gedanken absichtlich zu verdrängen. Aber ich werde Stephen Gately eine Gedenkminute schenken und eine Kerze anzünden.
Zum Schluss noch ein Zitat des Sängers, das sicherlich nicht die Berühmtheit eines Harvey Milk erreichen wird, aber mindestens genauso tief geht:
„If you can’t choose what to be you can choose what to dream.“
Rest in peace, Stephen.
Donnerstag, 8. Oktober 2009
Newsflash
Hallo, meine Lieblingsleser!
Ich habe lange nichts mehr von mir hören/sehen/lesen lassen, und das tut mir Leid. Mein Umzug war anstrengend, hat mich wieder ein wenig aus der Bahn geworfen. Große Veränderungen sind eben nicht leicht für mich, daran muss ich mich gewöhnen und lernen, damit zu leben. Das klappt von Woche zu Woche besser, auch, wenn es mir manchmal körperlich gar nicht gut geht.
Die Interferontherapie läuft. Sie läuft sogar sehr gut. Ende September habe ich die wundervolle Nachricht bekommen, daß bei mir keine Viren mehr nachweisbar sind. Das ist gut! Wenn es so weitergeht, sieht es gut aus, daß ich die Hep C loswerde... ganz sicher können wir aber erst sein, wenn die Therapie gut zu Ende gebracht wurde und auch ein halbes Jahr danach keine Viren mehr nachweisbar sind. Ich freue mich aber trotzdem schon über den kleinen Erfolg, weil die Nebenwirkungen für mich an manchen Tagen nur schwer zu ertragen sind und ich mir nichts mehr gewünscht habe, als daß sich die ganzen Qualen auch lohnen...
Steffan konnte mich bisher noch nicht besuchen, und er fehlt mir sehr. Momentan hat er Ferien, verbringt die erste Woche in Manchester. Ich hätte ihn gern begleitet... aber es ging einfach nicht. Nun hoffe ich, daß er schon diesen Sonntag kommen kann. Auf jeden Fall kommt er nächste Woche Sonntag, und darauf freue ich mich sehr. Ich darf nur sonntags Besuch empfangen, Steffan ist sehr weit weg... Das ist neu für mich. Aber es muss so sein. Ich habe viel Zeit zum Nachdenken, ich lerne, anders mit mir umzugehen. Jeder Tag ist ein Kampf, morgens habe ich Angst vor neuen Herausforderungen, vor Nebenwirkungen, vor schwierigen Gesprächen. Aber abends gehe ich stolz ins Bett.
Olli und ich halten Kontakt, so gut es geht. Ich würde ihm gern öfter schreiben, aber abends, wenn ich mal Freizeit habe und an den Computer könnte, bin ich oft von meinen Medikamenten so erschlagen, daß ich nicht mehr richtig sitzen kann. Es gibt Tage, an denen sehe ich nur verschwommen oder werde schon vom geringsten Licht schmerzhaft geblendet. Ich habe mit Gliederschmerzen zu kämpfen, bin tagsüber häufig müde, dafür nachts schlaflos. Aber viele Menschen geben mir viel Kraft. Es liegen nur noch 9 Spritzen vor mir, 9 von 24. Der Countdown läuft! Und wenn die Nebenwirkungen ganz schlimm werden, denke ich an die Zeit im Entzug. Daran, wie mir oft die Hände gezittert haben, daran, daß mir oft schlecht war, mein Körper sich anfühlte, als würde er von innen her zerrissen. Die Zeit habe ich auch überwunden, das habe ich gemeistert, also werde ich die Interferonzeit auch rumbekommen.
Aus den vielen Erfahrungen und Eindrücken schöpfe ich auch Energie. Viel kreative Energie, Kraft für neue Ideen, Texte und Geschichten. Und wenn alles überstanden ist, werde ich neu durchstarten. Wie sich das für einen Hürdenläufer gehört.